Im Gespräch – Petra Thomas, Geschäftsführerin forum anders reisen e.V.
Der Verband für nachhaltiges Reisen – forum anders reisen
KRIMMER CONSULTING: Nachhaltigkeit ist aktuell ein immerwährendes Thema, auch in der Touristikbranche. Aber passiert auch etwas? Was können Verbände wirklich leisten?
Petra Thomas: Tatsächlich hat sich in den vergangenen Jahren Einiges bewegt – wenn auch nicht im notwendigen Tempo. Daran haben der Druck gesellschaftlicher Debatten und globale Herausforderungen wie der Klimawandel einen Anteil. Verbände wie das forum anders reisen bringen konkrete Nachhaltigkeitskriterien in die Praxis, bündeln das Know-how engagierter Unternehmen und verschaffen nachhaltigen Angeboten eine stärkere Sichtbarkeit. Wir setzen Impulse für Politik, Branche und Gäste – etwa mit klaren Standards, Bildungsarbeit und strategischer Interessenvertretung. Gleichzeitig verstehen wir uns als Plattform für den Austausch, Innovation und kontinuierliche Verbesserung, um Nachhaltigkeit nicht nur als Label, sondern als gelebte Praxis voranzutreiben.
KRIMMER CONSULTING: Berücksichtigen die Urlauber*innen denn bei ihrer Planung das Thema Nachhaltigkeit?
Petra Thomas: Das Bewusstsein für Umwelt und soziale Verträglichkeit ist stärker da denn je. Viele Reisende möchten verantwortungsbewusster unterwegs sein. Allerdings zeigt sich oft noch ein Gap zwischen Bewusstsein und tatsächlichem Buchungsverhalten – der Preis, aber auch das Angebot und die Transparenz spielen eine Rolle. Das größte Hindernis liegt meist nicht im „Ob“, sondern im „Wie“. Unsere Aufgabe ist es, Orientierung zu geben, Transparenz zu schaffen und die nachhaltige Entscheidung zur einfachen Entscheidung zu machen. Wir arbeiten kontinuierlich daran, dass nachhaltige Reisen sichtbarer, attraktiver und leicht buchbar werden, um diesen Wandel weiter zu fördern.
KRIMMER CONSULTING: Wie hoch ist Dein persönlicher Frustrationslevel bei der Entwicklung der vergangenen Jahre in puncto nachhaltiges Reisen?
Petra Thomas: Natürlich gibt es Momente der Frustration – etwa wenn politische Entscheidungen ausbleiben oder Greenwashing über echte Verantwortung triumphiert. Aber meine Grundhaltung ist: nicht resignieren, sondern gestalten. Es braucht manchmal einen langen Atem, um zu sehen, wie langfristige Nachhaltigkeitsziele in konkrete Strukturen münden. Gleichzeitig gibt mir das Engagement unserer Mitglieder und vieler Partner hier und in den Destinationen Hoffnung: Da ist eine starke Bewegung, die sich für echte Veränderung einsetzt.
KRIMMER CONSULTING: Blicken wir nach vorne und schauen wir auf Lösungen: Was muss in den nächsten 10 Jahren in Deinen Augen in Deinem Segment passieren?
Petra Thomas: Wir brauchen einen echten Systemwandel: Reisepreise müssen die ökologischen und sozialen Kosten abbilden – und faire Bedingungen für Mensch und Umwelt schaffen. Anbieter müssen entlang ihrer gesamten Wertschöpfung nachhaltiger wirtschaften, Reisende klare Orientierung bekommen, und die Politik regulierend eingreifen. Es braucht mehr Kooperation statt Wettbewerb um die billigste Lösung. Digitalisierung kann Transparenz und Informationsfluss verbessern. Entscheidend ist, dass Politik, Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Gäste gemeinsam Verantwortung übernehmen und Zusammenarbeit als festen Bestandteil begreifen. Und wir brauchen verbindliche Standards in der Klimabilanzierung, bei sozialen Kriterien und beim Ressourcenschutz. Die Technik allein wird es nicht richten – auch wenn wir die Forschung zu nachhaltigen Treibstoffen zwingend vorantreiben müssen. Der Wandel beginnt im Denken.
KRIMMER CONSULTING: Wie würdest Du Deine Persönlichkeit in einem Satz beschreiben?
Petra Thomas: Ich würde mich als pragmatische Idealistin beschreiben – konsequent im Denken, kooperativ im Handeln und überzeugt davon, dass nachhaltiges Reisen mehr ist als eine Nische: Es ist die Zukunft der Branche.
Stand: 16. Juli 2025
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