ANNA KOLLMER: die elysium App – Ursprung ein Familienprojekt.
Wer steckt hinter der elysium App und wie ist die Idee hierzu entstanden?
ANNA KOLLMER: Hinter elysium steckt im Ursprung ein Familienprojekt. Die Idee entstand bereits 2016 gemeinsam mit unserem Vater, der 1992 die BMS Audio GmbH gegründet hat und aus der klassischen Tourguide-Hardwarebranche kam.
Die zentrale Frage war damals: Entwickeln wir einfach ein weiteres Hardware-Produkt – oder denken wir Kommunikation komplett neu? Klassische Systeme hatten immer wieder dieselben Schwächen: begrenzte Reichweite, kleine Gruppengrößen, hoher logistischer Aufwand, hohe Kosten und wenig Flexibilität. Gleichzeitig wurden Smartphones und Internet immer selbstverständlicher verfügbar.
Nach dem unerwarteten Tod unseres Vaters Ende 2019 und mitten in der Corona-Pandemie haben mein Bruder und ich das Unternehmen übernommen. Aus einem ersten Prototyp mit rund 800 Beta-Testern weltweit haben wir elysium® neu gedacht, neu entwickelt und 2023 offiziell gelauncht. Heute gehe n wir mit unserer Echtzeit-Übersetzung bereits den nächsten Schritt.
Welches konkrete Problem wolltet Ihr damit lösen und was unterscheidet elysium von klassischen Tour-Guide-Systemen oder anderen Audio-Apps?
ANNA KOLLMER: Wir wollten vor allem unnötige Komplexität lösen. Klassische Tourguide-Systeme funktionieren zwar, sind aber in der Logistik aufwändig, teuer in der Anschaffung und oft wenig flexibel. Geräte müssen gekauft, geladen, transportiert, ausgegeben und wieder eingesammelt werden.
Wichtig ist die Abgrenzung: elysium® ist kein Audio-Guide. Ein Audio-Guide arbeitet mit vorproduzierten Inhalten, wie man es zum Beispiel aus Museen kennt. Elysium® ist ein Live-Tourguide-System.
Das bedeutet: Ein Guide spricht live und genau diese Stimme wird übertragen. Es geht also um echte, geführte Kommunikation – nur deutlich einfacher, flexibler und skalierbarer.
Was war die größte Herausforderung bei der Gründung von elysium – technisch oder geschäftlich?
ANNA KOLLMER: Interessanterweise war es weder die Gründung selbst noch die technische Umsetzung. Die größte Herausforderung war, den Markt wirklich zu verstehen.
Wir haben sehr früh entschieden, datenbasiert zu arbeiten und nicht einfach Features „aus dem Bauch heraus“ zu bauen. Dabei wurde schnell klar: Der Beruf des Tourguides ist erstaunlich wenig erforscht. Es gibt keine einheitliche Ausbildung, keine zentrale Plattform, keine starke übergreifende Community und entsprechend kaum belastbare Daten.
Unternehmerisch kam hinzu, dass wir mitten in der Pandemie gestartet sind – in einer Branche, die teilweise komplett stillstand. Gleichzeitig mussten wir das bestehende Unternehmen stabil halten. Gerade in Deutschland war außerdem die Akzeptanz für neue Lösungen anfangs eher zurückhaltend. Das hat sich inzwischen deutlich verändert.
Welche nächsten Schritte sind bei der Weiterentwicklung der App geplant?
ANNA KOLLMER: Ein großer Fokus liegt aktuell auf unserer Live-Translation-Lösung. Diese wird vor allem im B2B-Bereich eingesetzt, zum Beispiel in der Kreuzfahrtbranche oder in der Industrie. Dort geht es nicht um ein „nice to have“, sondern um echte Verständigung in Situationen, in denen Sprache schnell zur Barriere wird.
Wir optimieren die Lösung kontinuierlich weiter, insbesondere bei Latenz und Sprachqualität. Bei Live-Kommunikation zählt jede Sekunde.
Grundsätzlich entwickeln wir sehr bedarfsorientiert. Wir bauen keine Features, nur weil sie technisch spannend sind, sondern weil sie ein konkretes Problem lösen. Unser Ansatz ist: zuhören, verstehen, Problem sauber definieren – und dann entwickeln.
Warum habt Ihr Euch für ein nutzungsbasiertes Modell entschieden, und nicht für ein klassisches Abo?
ANNA KOLLMER: Unsere Zielgruppen ist sehr heterogen. Manche nutzen elysium® regelmäßig, andere saisonal oder nur für einzelne Projekte. Deshalb gibt es nicht das eine Modell, das für alle passt.
Gerade Tourguides sind häufig sehr preissensibel und möchten nur für das bezahlen, was sie tatsächlich nutzen. Ein klassisches Abo hätte hier oft eine unnötige Hürde dargestellt – besonders nach der Pandemie.
Mit dem nutzungsbasierten Modell bleiben wir flexibel. Es passt zu kleinen Einsätzen genauso wie zu größeren Anforderungen und ermöglicht einen einfachen Einstieg.
Welchen Rat würdest Du jemandem geben, der selbst ein Start-up gründen möchte?
ANNA KOLLMER: Das wichtigste Learning für mich: Technik ist nicht alles. Ein gutes Produkt bringt dir nichts, wenn du den Markt nicht verstehst oder keinen Zugang dazu hast.
Man muss früh mit potenziellen Kunden sprechen, zuhören und herausfinden, welches echte Problem gelöst werden soll – nicht nur, welche Features sich jemand wünscht. Zwischen „nice to have“ und Zahlungsbereitschaft liegt oft eine ziemlich große Lücke.
Im UX gibt es den Satz: You are not the user. Genau das muss man als Gründer akzeptieren. Das eigene Ego hilft nicht weiter, Daten und ehrliches Feedback schon.
Mein Rat wäre deshalb: Markt verstehen, Netzwerk aufbauen, kluge Menschen einbinden und die eigene Idee immer wieder gegen die Realität testen. Sonst entwickelt man sehr schnell am Markt vorbei.
Wie würdest Du Deine Persönlichkeit kurz und knapp beschreiben?
ANNA KOLLMER: Ich würde sagen: introvertierte Extrovertierte. Ich bin gerne im Austausch, bringe Impulse ein und beschäftige mich viel mit Trends und Entwicklungen. Gleichzeitig denke ich sehr analytisch und spiele Entscheidungen oft konsequent bis zum Worst Case durch.






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